Montag, 30. Juli 2007

Der erste Tag!

Montag, 23. Juli 2007

Am Montagmorgen stand mein erster Tag des Praktikums an. Zunächst wurde ich vom „Managing Partner“ empfangen und der hat mich durch die Kanzlei geführt und einigen Leuten vorgestellt.

(Tours de la Bourse)

Die Kanzlei hat derzeit 65 Rechtsanwälte und insgesamt ca. 175 Beschäftigte. Die Räumlichkeiten der Kanzlei sind in der 46. und 47. Etage des „Tours de la Bourse“ bzw. „Stock Exchange Tower“, im Business-Viertel von Montréal. Die Anwälte haben jeweils ein Büro an der Aussenseite (also quasi einmal im Viereck herum) und die dazugehörigen „Assistants“ (also wohl dem was bei uns den Angestellten entspricht) sitzen in abgetrennten „Abteilen“ sozusagen im Flur. Von der Rezeption aus sind einige Besprechungsräume zu erreichen, wo sich dann auch die Anwälte mit Mandanten treffen. Der Bürotrakt ist nicht offen zugänglich, sondern den erreicht man nur mit einer Zugangskarte. Die Zugangskarte ist zugleich auch der Zugangschlüssel zur „Lawyers-Lounge“ einer Art Pausenraum für die Anwälte (und die Studenten ;-) ) mit kostenlosen Getränken, Tageszeitungen und Fernseher. Dort ist es insbesondere in der Mittagszeit recht hektisch, wenn dort die mitgebrachten oder in der Fressmeile unten im Gebäude gekauften Lunchpakete verzehrt werden.

Insgesamt ist die Kanzlei wohl eine der Top-Adressen in Kanada und scheint – um es mal vorsichtig auszudrücken – wirtschaftlich auf einer gesunden Grundlage zu stehen. Die Namen der Mandanten, die ich bislang aufschnappen konnte, sind schon beeindruckend. Näheres dazu besser im weniger öffentlichen Raum…

Neben den Anwälten arbeiten dort noch sogenannte „stagiaires“ bzw. „articling students“, die wohl im weitesten Sinne mit Referendaren verglichen werden könnten. Sie haben die Prüfung (das „bar exam“) als Zulassung zum Anwalt bereits hinter sich gebracht und müssen jetzt noch sechs Monate als Stagiaire arbeiten und sind dann automatisch Anwalt. Mit einem dieser stagiaires, Adam, teile ich mir auch einen Raum. Bei den Gemeinsamkeiten mit den Referendaren hört es bei den Stagiaires aber bei den Arbeitszeiten schnell auf: Die üblich Arbeitszeit ist Mo-Fr von 8.00 Uhr bis 21.00 Uhr und ggf. am Wochenende. Nach dieser Zeit haben zumindest die bei RSS arbeitenden stagiaires wohl aber eine Anstellung als Anwalt relativ sicher. Und die Anwälte haben dagegen ganz harmlose Arbeitszeiten (auch im Vergleich zu einem deutschen „Durchschnittsanwalt“ würde ich sagen).

Dann gibt es noch „echte“ Studenten in der Kanzlei. Die sind noch im Studium an der „Law School“ und müssen dort – soweit ich das verstanden habe nach dem zweiten von drei Jahren – ein „Praktikum“ machen. Das Praktikum ist aber kaum mit unseren Pflichtpraktika zu vergleichen. Das ist vielmehr eine Vollzeittätigkeit während der Semesterferien, die vor allem Recherchetätigkeiten umfasst und Botengänge zu Gericht (hier macht man das irgendwie nicht per Post…). Die Studenten bleiben aber nicht mehr so lange, da demnächst hier wieder die Uni beginnt.

(Blick aus "meinem" Büro)

Was ich dort so machen kann, ist noch ziemlich fraglich. Ehrlich gesagt ist mir vollkommen unklar, wie die Kanzlei auf die Praktikumsliste des FFA-Programms für Common Law kommen konnte. Die Kanzlei beschäftigt sich zu ca. 90 % mit dem Recht der Provinz Quebec. Und dieses ist gerade kein Common Law, sondern sog. Civil Law (also dem deutschen sehr ähnlich). Es gibt ein dem BGB entsprechenden Civil Code, der inhaltlich wie systematisch in vielen Teilen mit dem BGB übereinstimmt (soweit ich das bis jetzt beurteilen kann).

Recherchetätigkeiten sind für mich damit praktisch unmöglich, da so ziemlich alles was das Provinzrecht betrifft auf Französisch ist, inklusive der Entscheidungen und der dazugehörigen Gerichtsverhandlungen. Und mein übrig gebliebenes Schulfranzösisch reicht noch so gerade um an der Supermarktkasse zu bezahlen aber bestimmt nicht um juristische Fachtexte zu verstehen. Mal sehen, wie sich das so entwickelt… Meine Arbeitszeiten von 8.00 bis 17.30 Uhr passen jedenfalls eigentlich nicht dazu, dass ich praktisch nichts zu tun habe...
Abends bin ich dann noch etwas durch die Stadt gelaufen und habe noch eingekauft.

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